Für die Grüne/Alternativen in den Räten NRW (kurz: GAR NRW) schreibe ich im „Forum Kommunalpolitik“ in einer zweiteiligen Serie, wie Fraktionen das Potential sozialer Netzwerke besser ausschöpfen und auch online ihre Botschaft unter die Leute bringen können.

Teil 1 befasste sich mit den Grundlagen, ihr findet ihn hier.

Hier folgt nun der zweite Teil, der sich mit Strategien für Fortgeschrittene befasst.

Teil 2: Strategien für Fortgeschrittene

Das erste Sharepic auf Facebook ist „viral gegangen“ und von den Ratssitzungen wird auch getwittert, was das Zeug hält. Mit den Tipps 7-11 der zweiteiligen Mini-Serie ist jetzt noch mehr drin.

7. Postet Neuigkeiten als Erste

Wenn etwas mit einer gewissen Relevanz passiert, postet es sofort und nicht erst am Morgen darauf. Ihr solltet eure Zielgruppe als Erste darüber informieren, wenn etwas Wichtiges ansteht. Neue Koalition geschlossen? Ein neues wegweisendes Projekt in die Bahn gebracht? Super, dann immer raus mit der Botschaft! Wartet nicht damit, bis vier eurer Ratsmitglieder schon etwas geschrieben haben, zwei Artikel in der Lokalpresse erschienen sind und auch der politische Gegner schon alles gesagt hat. Wenn etwas mit einer gewissen Relevanz passiert, postet es sofort und nicht erst am Morgen darauf. Im Zweifel müsst ihr andere Arbeiten nach hinten schieben.

8. Denkt wie die Zielgruppe

Wenn ihr versucht Euch etwas in eure Zielgruppe hineinzuversetzen, werden eure Inhalte automatisch mehr Menschen erreichen. Dies betrifft nicht das möglicherweise nicht vorhandene Detailwissen, sondern auch die Umstände, in denen die Inhalte konsumiert werden. Wenn ihr während des Elfmeterschießens eines Champions League Finales postet, wird wohl kaum jemand auf „Gefällt mir“ klicken.
Facebook und Twitter werden beide überwiegend von mobilen Geräten genutzt, lange Ladezeiten sind also per se tabu. Postet man einen Inhalt morgens um 8 Uhr, befindet sich die Zielgruppe gerade wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit und sitzt im Zug – etwas zu lesen ist also ok, ein Video mit Ton nicht.

Das zu posten macht eher abends Sinn, wenn man nach der Arbeit oder Ratssitzung zu Hause und im heimischen W-LAN ist. Generell sollten Videos sowieso über Untertitel verfügen, da dank Autoplay Videos automatisch ohne Ton anlaufen. Beachtet bei euren Planungen auch unbedingt große Events und Großereignisse. An Aktions- und Gedenktagen werdet ihr außerdem häufig eine hohe Konkurrenz an Postings haben, die alle das Gleiche sagen (oder euch einfach so die Aufmerksamkeit entziehen).

9. Schaltet Facebook-Werbung

Auch wenn ihr als Erste postet, der Inhalt relevant ist und das Sharepic sitzt: Manchmal will man einfach noch mehr Menschen erreichen. Bewerbt deshalb eure wirklich wichtigen Inhalte! Das ist auf Facebook mit relativ wenig Geld sehr gut möglich: Ihr könnt die Zielgruppe auf bestimmte Orte einschränken oder sogar nur einen Radius um eine konkrete Adresse setzen.

Beispiel Facebook-Werbeanzeigenmanager

Ihr könnt zudem nach Alter oder Geschlecht eingrenzen und zusätzlich kann die Zielgruppe nach Interessen spezifiziert werden. Egal ob weibliche Erstwählerinnen in Chorweiler oder mittelalte Autoliebhaber in Kaarst – mit der passenden Werbung erreicht ihr die, die ihr erreichen wollt.

10. Schafft Ressourcen

Reichweite baut sich nicht von selbst auf. Soziale Netzwerke ermöglichen euch, wesentlich mehr Menschen über eure Arbeit und eure Anliegen zu informieren. Die Zahlen sprechen für sich: Die Nutzer*innenzahl von Facebook in Deutschland (2016: Über 26 Millionen) übersteigt deutlich die Auflage aller Tageszeitungen im Land (2015: 16 Millionen). Aber trotzdem: Reichweite baut sich nicht von selbst auf. Die Kanäle wollen gepflegt werden, ihr benötigt Zeit dafür, einen Werbe-Etat, vielleicht Software zur Bildbearbeitung, Geld um auch mal ein kostenpflichtiges Foto zu kaufen, eine gute Digitalkamera und regelmäßige Fortbildungen.

Das alles geht nicht so nebenbei. Schafft also Ressourcen – personell und finanziell. Ist das nicht zusätzlich möglich, gibt es dazu nur eine Alternative: Andere Dingen können nicht gemacht werden.

11. Messt Euren Erfolg

Das Wunderbare an Online-Kommunikation ist in der Regel: Man kann (Miss-)Erfolge messen. Ihr seht für jedes Posting eurer Facebook-Seite, wie viele Menschen es erreicht hat, wie viele kommentiert haben, wie viele den Beitrag geteilt haben.

Die Statistiken eines Facebook-Beitrags

Je mehr Menschen einen Beitrag teilen, desto mehr Menschen erreicht unser Inhalt. Letzteres ist für die Reichweite entscheidend: Je mehr Menschen einen Beitrag teilen, desto mehr Menschen erreicht unser Inhalt. Und das ist schließlich das, was wir erreichen wollen. Werft deshalb permanent einen Blick in die Statistik und wertet aus, was gut lief und was nicht.

Ein kurzes Clipping am Anfang der Woche, also das Zusammenstellen der einzelnen Postings mit Reichweite und Anzahl der Interaktionen, schafft zudem ein Bewusstsein bei euren Kolleg*innen und Ratsmitgliedern.

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