Für die Grüne/Alternativen in den Räten NRW (kurz: GAR NRW) schreibe ich im „Forum Kommunalpolitik“ in einer zweiteiligen Serie, wie Fraktionen das Potential sozialer Netzwerke besser ausschöpfen und auch online ihre Botschaft unter die Leute bringen können.

Teil 1 befasst sich mit den Grundlagen, Teil 2 mit Strategien für Fortgeschrittene. Den zweiten Teil findet Ihr hier.

Teil 1: Die Basics

Die Lokalzeitung druckt die Presse nicht? Dann schick es schnell über Facebook. Keiner will aus der Ratssitzung twittern? Dann macht das der Geschäftsführer. So geht es leider nicht.

1. Postet niemals eine Pressemitteilung auf Facebook

Pressemitteilungen sind eine ganz tolle Sache. Aber auch eine ganz spezielle Angelegenheit. Der Kreis der Adressat*innen ist sehr klar umrissen: Lokalredakteur*innen. Und die unterscheiden sich schon deutlich vom Rest der Einwohner*innen: Sie machen das Ganze hauptberuflich, bringen einen ganzen Berg an Hintergrundwissen mit und müssen am Ende des Tages eine Spalte im Lokalteil füllen. Vor allem aber ist die Größe der Zielgruppe sehr begrenzt, es sind eine Handvoll Personen.

Es macht nun überhaupt keinen Sinn, einen Inhalt, der für einen Bruchteil eurer „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook gedacht ist, zu posten. Das Publikum auf Facebook erwartet etwas anderes: Klare und verständliche Aussagen statt Polit-Sprech und die Berücksichtigung, dass man im Zweifel von den bisherigen Dingen gar nichts weiß. Man kennt keine Fachtermini, weiß nicht, was in der letzten Ratssitzung passiert ist und vom „zukunftsfähigen Handlungskonzept Wohnen“ hat man auch noch nie etwas gehört.

2. Verlinkt die eigene Website nur in Ausnahmefällen

Wer sich die Statistiken seiner Facebook-Fanseite anschaut und mit denen seiner Website vergleicht, wird merken: Auf Facebook erreicht man in einer Woche so viele Menschen, wie auf der Website in einem Jahr. Man könnte jetzt unbedarft auf die Idee kommen und vermehrt Links zu Artikeln auf der eigenen Website auf Facebook posten – das ist aber keine gute Idee. Denn Facebook behandelt Links schlechter als andere Inhalte, wie z.B. Fotos. Das heißt, den Inhalt bekommen weniger Leute zu sehen. Will man also viele Menschen erreichen, postet man keinen Link.

Manchmal muss es aber doch ein Link sein. Dann muss die verlinkte Website aber einige technische Kriterien erfüllen: Zuallererst muss sie auch für mobile Geräte optimiert sein, da Facebook bereits heute überwiegend von Smartphones genutzt wird. Nur wenn die Seite auch problemlos auf einem Smartphone zu öffnen ist, sollte man einen Link posten. Zweitens sollte ein Vorschaubild hinterlegt werden, das auch zum Artikel passt.

Großes Vorschaubild nur für Facebook, passender Titel und ein kurzer Teaser-Text. Außerdem ist der Author automatisch mit der Fanpage verlinkt und die verlinkte Seite ist für mobile Geräte optimiert. So gehen gute Links auf Facebook.

Facebook verwendet für Angaben wie Vorschaubild, Überschrift und Teaser-Text das sogenannte „OpenGraph Protocol“, das auf der Website eingebunden werden sollte.

3. Löscht die Verknüpfung von Facebook mit Twitter

Um Arbeit zu sparen, haben einige eine automatische Verbindung ihrer Facebook-Seite mit ihrem Twitter-Account eingerichtet. Alles was man auf Twitter postet, erscheint automatisch auf Facebook – oder umgekehrt. Aber jedes soziale Netzwerk tickt anders.

Facebook ist das Netzwerk der Masse. Die Inhalte werden hier nicht chronologisch sortiert, sondern nach einem bestimmten Algorithmus, ähnlich der Sortierung der Suchergebnisse bei Google. So will Facebook dem Nutzer das Relevante zuerst anzeigen – bzw. das, von dem Facebook glaubt, dass es uns am meisten interessiert. Diese Sortierung erfolgt dabei für jede/n Nutzer*in individuell. Twitter ist hingegen ein permanenter Strom an Nachrichten, der im Wesentlichen chronologisch sortiert ist.

Deshalb gilt: Auf Facebook postet man weniger Inhalte (ca. alle drei Tage ein Posting), auf Twitter kann man auch mehrmals am Tag posten. Auf Twitter macht der Einsatz von Hashtags viel Sinn, auf Facebook sind sie eher nutzlos.

Die automatische Verbindung der beiden Netzwerke sollte schnellstmöglich gelöscht werden.

4. Folgt Journalistinnen und Journalisten auf Twitter

Twitter ist der Liebling der Journalist*innen! Das liegt auch daran, weil man Twitter durchsuchen kann. Während man auf Facebook nur Personen, Unternehmen oder Orte findet, kann man auf Twitter nach jedem inhaltlichen Stichwort suchen – von der Ratssitzung bis zum Nahverkehr.

Sucht also eure Lokalredaktionen und Lokaljournalist*innen, folgt Ihnen auf Twitter und tretet regelmäßig über Twitter mit ihnen in Kontakt. Hilfreich ist natürlich, wenn eure Spitzen-Kommunalos selbst auf Twitter sind (Stichwort: Personalisierung) und ihr sie regelmäßig retweetet.

Jeder Tweet ist ein potenzielles Zitat in der Zeitung! Auch wenn man in der Masse auf Twitter weniger Menschen erreicht als auf Facebook, so erreicht man hier doch genau die Richtigen. Denkt immer daran: Jeder Tweet ist ein potenzielles Zitat in der Zeitung!

5. Verwendet Sharepics

Auf Facebook muss der eigene Beitrag unter der Masse der Inhalte hervorstechen, damit er wahrgenommen wird. Dies funktioniert mit sogenannten „Sharepics“ sehr gut: Die Botschaft wird dabei auf wenige Worte komprimiert und in einer Grafik zusammengefasst – entweder nur als Text oder in Kombination mit Foto. Dazu noch maximal drei Zeilen Beschreibungstext (Mehr Text wirkt sich negativ
auf die Viralität auf Facebook, also die Anzahl der „Gefällt mir“-Angaben und geteilten Inhalte, aus) und kein Link – schon verbreitet sich euer Inhalt wesentlich besser.

Wer am Arbeitsplatz nicht auf eine Bildbearbeitung wie Photoshop, GIMP oder Co. zurückgreifen kann, findet mit dem Sharepic-Generator der GRÜNEN Bayern eine gute Alternative – Wurzelwerkzugang vorausgesetzt: https://gruene-bayern.de/apps/sharepic/

6. Postet nur Inhalte mit Relevanz

Das schönste Sharepic nutzt allerdings nichts, wenn der Inhalt absolut uninteressant ist. Das Ende einer Ratssitzung interessiert die Menschheit auch nicht mehr, nur weil man es ihr per Sharepic mitteilt.


Beispiel eines erfolgreichen Facebook-Postings der Grünen Herne

Postet deshalb nur Inhalte mit einer gewissen Relevanz und fasst den Inhalt auf eine (!) verständliche und sehr konkrete Kernbotschaft zusammen.

Hier geht es weiter mit Teil 2.

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